Keine Solidarität mit Mittelrhein


UmarmungAm Sonntag, den 22.03.2015, besuchten 30 Neonazis einen Vortrag zum „Mammutverfahren gegen das Aktionsbüro Mittelrhein“ im deutschlandweit bekannten Neonazitreff Thinghaus in Grevesmühlen. Die Polizei zeigte Präsens und nahm die Personalien der anreisenden Neonazis auf.

 

 

Bei dem „Mammutverfahren“ wird 26 Angeklagten seit Mitte August 2012 von der Staatsanwaltschaft Koblenz vorgeworfen, eine kriminelle Vereinigung gebildet und unterstützt zu haben. Ziel des Aktionsbüros sei es gewesen, die freiheitlich demokratische Grundordnung abzuschaffen und einen „Nazi-Staat“ zu errichten. Dazu sollen die Angeklagten Neonazis – unter ihnen zwei NPD-Funktionäre – Waffen gehortet, politische Gegner_innen ausspioniert und verprügelt haben. Bei regelmäßig stattfindenden Events wie den „Führerthings“-Kameradschaftsabenden und Rechtsrockkonzerten vernetzte sich das Aktionsbüro mit den Kameradschaften aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Auch Rechtsrockbands wie „Exitus“ und „Flak“ sollen zum engen Umfeld der Neonazi-Vereinigung gehören. 1

Nachdem am Anfang des Prozesses eine umfangreiche Berichterstattung stattfand, beklagen sich nun die unterstützende Neonazis des Aktionsbüros über das abnehmende Interesse an dem Fall. Dem wollen sie mit Informationsveranstaltungen entgegenwirken. Ihr Vorhaben konnten sie im Thinghaus allerdings nicht in die Tat umsetzen. Ab 13:00 reisten wider allen Erwartungen lediglich 30 Neonazis aus Nordwestmecklenburg, Nordvorpommern und dem Landkreis Rostock zu der Veranstaltung im Thinghaus an. Das Thema scheint auch in Westmecklenburg auf nicht allzu großes Interesse zu stoßen. Es wirkte eher wie ein konspiratives Treffen für einen sogenannten „Inner-Circle“ als eine öffentlich beworbene Veranstaltung. Unter den Besucher_innen fanden sich Neonazi-Kader wie Julia Thomä, David Petereit und Alf Börm, der mit zwei Stunden Verspätung und raschem Schrittes ins Thinghaus marschierte.Steffie_Grahlmann

Anwesend war auch Steffie Grahlmann, die kürzlich mit der Vorsitzende des „JN-Stützpunkts“ Heilbronn sowie Schatzmeisterin des NPD-Kreisverbands Heilbronn Isabell Zentarra in eine WG bei Wismar gezogen ist. ² Begrüßt wurden die Gäste von Sven Krüger persönlich mit Handschlag und vertraulicher Umarmung. Die üblichen Mitglieder der lokalen sowie regionalen Strukturen aus den Freien Kameradschaften und NPD waren nicht anzutreffen.

Die Polizei kontrollierte genervt die Personalien der Anreisenden.

Während der Vortrag im Thinghaus noch im vollen Gange war, baute die Polizei ihre Kontrolle ab und beendeten augenscheinlich ihren Einsatz. So konnten die am Vortrag teilnehmenden Neonazis sich entspannt, in vertraulicher Runde und von der Polizei ungestört weiter mit den Unterstützer_innen der mutmaßlichen kriminellen Vereinigung „Aktionsbüro-Mittelrhein“ ihre Kontakte pflegen und sich über Erfahrungen austauschen.

Quelle: 1 Blick nach Recht, Andrea Röpcke „Mammutverfahren gegen Neonazi-Netzwerk“, 07.12.2012

http://www.bnr.de/artikel/hintergrund/mammutverfahren-gegen-neonazi-netzwerk-0

2 linksunten.indymedia.org, Autonome Antifa Freiburg „Nazi-Kundgebung in Freiburg abgesagt“, 31.01.2015

https://linksunten.indymedia.org/de/node/133738

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