Gegenprotest auf den Straßen – Neonazi-Veranstaltungen in Wismar und Schwerin gefloppt


DSC_0212Seit wenigen Tagen formiert sich ein anhaltend rechter Protest in Westmecklenburg, koordiniert von der Facebook-Gruppe „Wismar wehrt sich“. Heute marschierten die Rechten mit rund 80 Teilnehmern durch die Hansestadt Wismar. Im Anschluss sollte es nach Schwerin gehen, wo allerdings keine offizielle Anmeldung bei den entsprechenden Ordnungsbehörden vorlag. Die angekündigte rechte Kundgebung fand nicht statt. DieTeilnehmerzahlen der Neonazi-Veranstaltungen stagnieren.

Bürgerprotest begleitet Neonaziaufmarsch durch Wismar

Am Freitag , den 11.09.2015,  kündigte sich erneut die rechte Facebook-Gruppe „Wismar wehrt sich“ mit einem Aufmarsch für  den 13.09.2015 in Wismar an. Treffpunkt war um 15:00 Uhr der Marktplatz. Trotz der kurzfristigen Vorbereitungszeit versammelten sich frühzeitig Sonnenanbeter auf dem Marktplatz, um ihren Unmut über dieses Spektakel zu äußern. Kurz nachdem sich die Neonazis zum Start ihres Aufmarsches aufstellten, setzten sich die rund 150 Bürger in Richtung Rudolph-Karstadt-Platz in Bewegung.
In der ersten Reihen der Nazis war erneut das NPD-Bürgerschaftsmitglied Rainer Schütt. Auch Teile der Kameradschaft Wismar und des Germanische Bollwerk Mecklenburg waren wieder dabei.
wfaEntlang der Kreuzungen um den Rudolph-Karstadt-Platz stellten sich die Gegenproteste mit Transparenten des neu gegründeten Bürgerbündnisses „Wismar für alle“ auf und empfingen die Rechten mit Buh-Rufen, Pfeifen und Lärm. Bewaffnet mit einem Megafon bewegte sich der Aufmarsch über die Breite Straße in Richtung Hafen. Dort sollte ursprünglich eine Zwischenkundgebung der Neonazis angemeldet worden sein, aber diese zogen es vor nach einige Pöbeleien in Richtung Gegendemonstranten ihre Marschroute zum Endpunkt am ZOB fort zu setzen. Angesichts der starken Gegenproteste, die permanent während des Aufmarsches in Sicht- und Hörweite wahr zu nehmen waren, verhielten sich die Neonazis im Vergleich zum vergangen Aufmarsch eher ruhig. Am Endpunkt angelangt, versuchten sie eine weitere Spontandemonstration zum Marktplatz zurück anzumelden. Diese wurde allerdings nicht genehmigt und sie wurden in Kleingruppe zur Heimreise begleitet.

Kundgebung von Refugee-Unterstützer vor Notunterkunft in Schwerin-Lankow

Einige der Aufmarschteilnehmer der Gruppe „Wismar wehrt sich“ machten sich sogleich auf den Weg nach Schwerin-Lankow, um wie an den DSC_0550vergangenen Abenden, vor der neuen Notunterkunft für Refugees ihre rassistische Hetze zu verbreiten. Mit Erstaunen und Zorn stellten sie fest, dass der Platz vor der Comeniusschule bereits besetzt war. Unterstützer der Refugees hatten bereits Tage zuvor eine Kundgebung dort angemeldet. Die Rassisten wurden an der Kreuzung Schleswiger Straße aufgehalten, da keine Anmeldung über eine Kundgebung bei den Ordnungsbehörden vorlag. Die bereits bei Facebook angekündigte Kundgebung gegen die Notunterkunft fand nicht statt. Auch wurden weitere Spontananmeldungen der Rassisten nicht genehmigt. Nachdem Gegendemonstranten und auch anwesende Journalisten kein greifbares Ziel für Beleidigungen und Anfeindungen darstellten, bekamen die anwesenden Polizeikräfte den Zorn des rechten Mobs ab. Diese wurden beschimpft und bepöbelt. Mittlerweile hatten sich bis zu 50 Rassisten, darunter viele Kinder, an der Kreuzung eingefunden. Die Rechten spannten die bekannten Banner auf und griffen wieder zu ihrem Megafon, um Hetze darüber zu verbreiten, bis die Polizei dieses beschlagnahmte. Nachdem die Kundgebung der Refugees beendet war, dröhnte lange Zeit der Mvgida-Anhänger Torsten Schramke durch die mittlerweile dunklen Straßen von Schwerin-Lankow. Schramke war u.a. Versammlungsleiter bei vergangenen Mvgida-Aufmärschen. Dass ihm das Megafon entwendet wurde, schien ihm gar nicht zu stören. Er fühlte sich ungerecht behandelt und musste dies allen lautstark mitteilen.
Die ersten anwesenden Rassisten hatten sich bereits auf den Heimweg gemacht
, als eine Spontandemonstration gegen die Notfallunterkunft in der Comeniusschule vor Ort genehmigt wurde. Nach rund 300m entlang der Schleswiger Str. war diese allerdings auch wieder beendet. 
Dies hatte zur Folge, dass die Rassisten nun nicht nur weiter entfernt von der Notfallunterkunft sondern auch optisch von dieser getrennt waren. Langsam löste sich das Geschehen ganz auf.

 

Es geht immer noch weiter

Die Polizeikräfte hatten zu jeder Zeit die Situationen sowohl in Wismar als auch in Schwerin-Lankow unter Kontrolle.
Die Neonazis und Rassisten stoßen langsam an ihre Grenzen. Zwar sind die Pöbeleien und Beleidigungen auf gleichbleibenden Niveau, auch wenn sie sich heute eher gegen die Polizeikräfte richteten, dennoch stagnieren die Zahlen der Teilnehmden. Es bleibt abzuwarten, wie lange sie das hohe Pensum an rechten Veranstaltungen noch bedienen können.
Der nächste angemeldete rechte Aufmarsch ist für Schwerin am 19.09.2015 geplant.

 

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