Neonazis marschieren wieder ohne Inhalte durch Wismar


DSC_0126Gestern, 16.09.2015, fand ein erneuter Neonaziaufmarsch aus der Reihe der Veranstaltungen um die rechten Facebook-Gruppen „Wismar wehrt sich“, „Schwerin wehrt sich“ oder „Deutschland wehrt sich“ statt. Die rund 110 Neonazis marschierten durch den Wismarer Stadtteil Friedenshof. Anstatt ihre inhaltlichen Forderungen auf die Straße zu bringen, verbrachten sie die meiste Zeit damit, die Unterstützer der Refugees sowie anwesende Journalisten zu bepöbeln und beleidigen.

Nazis marschieren durch Brennpunktviertel

Ab 18:30 trafen sich die rund 110 Neonazis am Aldi-Parkplatz an der Bürgermeister-Hauptstraße. Nachdem der Mitinitiator von „Wismar wehrt sich“ DSC_0113David Bühring ein paar anheizende Worte gesprochen hatte, um die Anwesenden in entsprechende Stimmung zu bringen, setzte sich der Tross bei Regen in Richtung Ossietzkyallee in Bewegung. Dort trafen sie auch schon auf die ersten Gegenproteste, die sich gleichmäßig entlang der Strecke zum stillen Protest verteilt hatten. Mit Hitler-Gruß und Pöbeleien wurden sie begrüßt. Die insgesamt rund 70 Unterstützer der Refugees empfingen sie mit Transpis und zugekehrten Rücken. Sie ließen sich von den aggressiven Anfeindungen nicht beirren und blieben standhaft. 
Die ursprünglich angemeldete Route der Neonazis wurde von den Ordnungsbehörden nicht genehmigt, sodass sie nicht in Sicht- oder Hörweite der Refugee-Notunterkunft der DRK in Wismar-Friedenshof gekommen sind. Mit der Wahl des Ortes Wismar-Friedenshof erhofften sich die Initiatoren womöglich ein größeren Zuspruch aus der Bevölkerung.
Ihr unprofessionelles Auftreten wirkte allerdings nicht einladend, sodass sich keine weiteren Anwohner einreihten und sogar einige Teilnehmer vorzeitig den Aufzug verließen.
DSC_0109 Auch waren wieder Minderjährige unter den Teilnehmern, die von ihren Eltern mitgebracht oder eigenständig anwesend waren. Hier sollte der Landkreis Nordwestmecklenburg mit seinen Mitarbeitern der Jugendämter prüfen, ob nicht eine Kindeswohlgefährdung vorliegen könnte. Dieses geschah bereits am Montag bei einer Kundgebung der gleichen Initiatoren in Schwerin und in Vergangenheit auch durch die Polizei bei einer Veranstaltung am Grevesmühlener Thinghaus.
Die Teilnehmer des Aufmarsches benahmen sich ganz in MVgida-Manier:  Je später und dunkler die Stunde, desto aggressiver wurde die Stimmung. Im vermeindlichen Schutz der Dunkelheit wurden die  Drohungen gegen Journalisten und Gegendemonstranten härter.
Als sich die Unterstützer der Refugees auf den Rückweg Richtung Wonnemar machten, kam es fast zu Auseinandersetzungen mit den Neonazis. Die angeheizte Meute bewegte sich in deren Richtung, um ihre Aggressionen weiter auszuleben. Nur durch das beherzte Eingreifen der Polizeikräfte konnte eine ernsthafte Auseinandersetzung verhindert werden.

Ohne Inhalt, ohne Zwischenkundgebung

Während der gesamten Strecke war es den Neonazis nicht gelungen ihre inhaltlichen Forderungen, wie „Gegen die gescheiterte Asylpolitik“ oder „Für eine temporäre Schließung der Grenzen“, unter den Anwohnern zu verbreiten. Stattdessen hetzten sie gegen die anwesenden Journalisten und DSC_0121bepöbelten die Unterstützer der Refugees an der Strecke. Nebenbei dröhnte die Stimme von Torsten Schramke, der in Vergangenheit u.a. einige MVgida-Aufmärsche in Schwerin angemeldet hatte, durch die Dunkelheit und heizte die aggressive Stimmung des rassistischen Mobs nochmal richtig an. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass diesmal wieder keine Zwischenkundgebung stattfand. 
Mit ihren Beschimpfungen und Drohungen gegen Journalisten, versuchen sie diese mundtot zu machen. Betitelungen wie „Lügenpresse“,„Schmierfinken“ oder „Rotfaschistische Fotografen“, die David Bühring durchs Megafon brüllte, sind die harmloseren Worte. Weiter ging es dann zu Aufrufen wie „ Merkt euch die Gesichter! Sie werden euch an den Pranger stellen! Guckt sie euch an und merkt euch die Gesichter!“. Mit diesen Anfeindungen wollen sie eine detaillierte Berichterstattung über ihre Aufmärsche und Kundgebungen verhindern.
Anwesend in vorderster Reihen, wie auch schon bei den Vergangenen Aufmärschen, war das Wismarer NPD-Bürgerschaftsmitglied Rainer Schütt. Unter den Teilnehmern des Aufmarsches waren ebenfalls Mitglieder der „Freien Kameradschaft Wismar“, „Germanische Bollwerk Mecklenburg“ und der „Dorfgemeinschaft Jamel“.
Der nächste Aufmarsch ist unter dem bereits mehrfach genutzten Motto „Gemeinsamfür die Heimat“ am 19.09.2015 um 17.00 Uhr am Schweriner Hauptbahnhof angemeldet.
Auch beginnt die MVgida-Saison wieder. Nachdem der Pegida-Ableger über die Sommermonate eine längere Pause eingelegt hatte, starten sie am Montag, 21.09.2015, um 19:00 in Boizenburg mit einem Aufmarsch.

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