Erneuter Neonazi-Aufmarsch in Wismar


DemoGestern, am 10.10.2015, fand erneut einer der mittlerweile wöchentlich veranstalteten Aufmärsche der rechten Facebook-Gruppe „Deutschland wehrt sich“ mit dem Ortsverband „Wismar wehrt sich“ in Wismar statt. Unter dem gleichbleibenden Motto „Gemeinsam für die Heimat“ marschierten rund 120 Neonazis, deutlich weniger als bei den vergangenen Veranstaltungen. 

„Wismar wehrt sich“ stellt sich vor

Ab 17:00 Uhr füllte sich langsam und schleppend der Parkplatz hinter dem ZOB in Wismar. Lediglich die regionale Nazistruktur, wie der Freien Kameradschaft Wismar, Sven Krüger mit seiner Dorfgemeinschaft Jamel , Germanisches Bollwerk Mecklenburg oder unorganisierte Rassisten, fanden sich ein. Mit neuer Technik hielt der bereits von dem letzten Aufmarsch in Schwerin bekannte „Gerhard“ den Auftaktredebeitrag. Der ältere Herr begrüßte seine Kameraden mit „Willkommen Germanen“ und ließ sich in bekannter, hetzerischer Weise über die aktuellen Ereignisse des Politikgeschehens aus. 
SK_DemoNeben dem Redebeitrag und der Bekanntgabe der Auflagen stellte sich auch Hannes Grahlmann als Mitorganisator der Ortsgruppe „Wismar wehrt sich“  vor. Der Bruder von Steffi Grahlmann, über die wir bereits im Zuge diverser Thinghaus-Veranstaltungen und NPD-Aufmärschen berichteten, fiel in der Vergangenheit durch seine Beteiligung in der Kraftsportabteilung des SG Dynamo Wismar und seinen Aktivitäten in der Hansa-Fanszene auf. Immer häufiger besuchte Hannes Grahlmann diverse Aufmärsche, wie im März 2015 die geplatzteHG_gespräch Nazikundgebung des aus dem HoGeSa-Bündnisses entstandenen „Gemeinsam Stark e.V.“ oder Aufmärsche des mecklenburg-vorpommerschen Pegida-Ableger MVgida. Auch war er bei fast allen Veranstaltungen der rechten Facebook-Gruppe „Deutschland wehrt sich“ und knüpfte immer engere Kontakte zu den Mitinitiatoren David Bühring und Torsten Schramke. So meldete Grahlmann im Zuge der täglich stattfindenden Kundgebungen Mitte September vor der Refugee-Notunterkunft in Schwerin-Lankow eine Spontandemonstration „Gegen die Antifa“ gemeinsam mit dem Stralsunder Enrico Naumann an. Jetzt organisiert Hannes Grahlmann gemeinsam mit Ronny und Laura die Ortsgruppe des Dachverbandes „Deutschland wehrt sich“ in Wismar.

Zenit überschritten?

So schleppend, wie der Auftakt begann, zog der Tross durch die Wismarer Innenstadt. Es scheint fast, als hätten sie ihren Zenit mit der HWIfueralleGroßdemonstration in Schwerin vor wenigen Wochen überschritten, an der rund 750 Neonazis teil nahmen. Dennoch entluden sie wieder ihre kompletten Aggression, als sie auf die rund 40 Gegendemonstranten trafen, die mit „Wismar für alle“-Bannern am Rande die Neonazis begrüßten. Immer wieder kam es vereinzelt zu Bedrohungs-Szenarien und Pöbeleien ausgehend von den Aufmarsch-Teilnehmern. 
Während der Zwischenkundgebung in der menschenleere Straße „Hinter dem Rathaus“ wurden diffuse Verschwörungstheorien und Zahlen über Wohlfahrtsausgaben oder Kriminalitätsraten, welche nicht durch Fakten belegt wurden und zusätzlich noch mathematisch gänzlich falsch waren, den anwesenden Teilnhemern an den Kopf geworfen. 
Auch wenn es den Anschein erweckt, dass die Nazis auf der Straße müde werden, reißt die Hetze in den Sozialen Netzwerken nicht ab. In den nächsten Wochen werden erste Refugee-Familien die neu sanierten Wohnungen in Wismar-Wendorf beziehen. Schon jetzt kündigt die Ortsgruppe „Wismar wehrt sich“ bei Facebook an, sie wollen die „Neubürger herzlich willkommen heißen.  An dieser Stelle grüßen wir unsere Freunde in Einsiedeln, Freital, Heidenau und andernorts.“ [08.10.2015] In den genannten Städten ist es u.a. in den letzten Wochen und Monaten zu massiven Ausschreitungen  der Neonazis gekommen. In Einsiedeln blockierten sie mehrere mit Refugees gefüllten Bussen. In Heidenau kam es zu mehrtägigen Ausschreitungen. Es bleibt abzuwarten, in welcher Form die Neonazis die Refugees „Willkommen heißen“ wollen. In Anbetracht der aktuellen Geschehnisse und des hohen Gewaltpotenzial, was bei den „Deutschland wehrt sich“-Veranstaltungen zu beobachten ist, kann nicht davon ausgegangen werden, dass es friedlich bleiben wird.

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