„Tag des Deutschen Widerstandes“


transpiAm Samstag, den 28.11.2015,  fanden flächendeckend in ganz Mecklenburg-Vorpommern rechte Kundgebungen und Aufmärsche zum Thema Asylpolitik statt. 
David Bühring und Torsten Schramke riefen unter der Facebook-Gruppe des Dachverbandes  „Deutschland wehrt sich“ zu dem „Tag des deutschen Widerstandes“ auf. Sie forderten ihre Anhänger auf, in deren Städte und Dörfer Aufmärsche, Kundgebungen und Mahnwachen anzumelden. [1]

Tour de Matischent floppt

 

Krakow am See

Krakow am See

Eine der ersten Veranstaltungen stellten die Kundgebungen in Krakow am See, Lalendorf und Bützow dar. Lediglich 9 Personen  fanden sich mit wenig Verspätung in die Kleinstadt Krakow am See ein, darunter Teile des Widerstand Mecklenburgische Schweiz, der Güstrower NPDler Nils Matischent und der Anmelder der Kundgebungen Sebastian Rothe.

Ende September stand der Güstrower NPD-Stadtvertreter Matischent vor Gericht wegen des Diebstahls von Waschmaschinen, wo er zu einer Haftstrafe von 1 Jahr, ausgesetzt zu 4 Jahre auf Berwährung, verurteilt wurde. Dazu kommt eine Geldstrafe in Höhe von 1.500 Euro. Bereits Anfang des Jahres machte er u.a. wegen einer Hausdurschsuchung aufgrund illegalen Handels von unversteuerten Zigaretten und der Beteiligung an einer Auseinandersetzung am Rande einer Refugee-Demonstration in Güstrow Schlagzeilen. [2] Neben zwei Redebeiträgen, die mehr schlecht als recht von NPD-Matischent und anderen vorgelesen wurden, lief Rechtsrock und die Neonazis mussten frierend die Buh-Rufe der 30 Gegendemonstranten über sich ergehen lassen.
lallendorf

Lallendorf

Der mehrfach vorbestrafte Lutz Giesen verweilte eine kurze Zeit auf der Kundgebung auf dem Markt. Während sein Kind gespannt im Auto wartete, schüttelte Giesen kurz eins, zwei Hände bevor er wieder verschwand. Giesen ist mindestens 15-mal vorbestraft u.a. wegen gefährlicher Körperverletzung, Volksverhetzung, Erpressung, schweren Diebstahls, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, gemeinschaftlicher Nötigung, Hausfriedensbruchs und Erschleichens von Leistungen. Ursprünglich stammt Giesen aus Berlin und zählt zu den Gründern der Kameradschaft Germania. Im Jahr 2008 wurde er von der NPD im Schweriner Landtag beschäftigt, welches von Udo Pastörs als Resozialisierungsmaßnahme bezeichnet wurde. [3]

In ihrer weiteren Reise zog es Nils Matischent mit Gefolge nach Lalendorf. Hier hielten Sie die zweite Kundebung des Tages mit ca. 18 Teilnehmern auf einem Spielplatz ab. Bei gleicher Thematik und musikalischer Auswahl beschallten sie die Anwohner des Neubauviertels für ca. 1Stunde.
ges_Bützow

Bützow

Nach einer kleineren Mittagspause zogen Sie in ihre Homezone Bützow. Zwar mobilisierten sie mit aufklarendem Wetter mehr Teilnehmer auf die Straße, allerdings gelang es ihnen nicht die Teilnehmerzahlen von 30 zu überschreiten. Unter ihnen auch der NPD Landtagsabgeordnete David Petereit. Dieser unterhielt sich angeregt mit Nils Matischent. Trotz der erhöhten Teilnehmerzahl und dem offensiveren Auftreten am Rande des Bützower Weihnachtsmarkt gelang es den Nazis nicht, ihre Hetze an die Anwohner zu bringen.

 
Am Abend fand die vierte Kundgebung in der Region statt. Die Personenkonstellation veränderte sich genauso wenig wie die Personenanzahl. 15 Neonazis hielten mit Fackeln und „Schwarz-Weiß-Roter“ Fahne bewaffnet ab 18.00Uhr in der Ahornpromenade Güstrows eine von Anwohnern unbeachtete Kundgebung ab.

Aufmarsch in Warin floppt

Warin

Warin

Der NPDler Markus Kopplow meldete für 17:00 Uhr einen Aufmarsch, unter dem Motto „Warin wehrt sich“, von lediglich drei Kilometer durch seine neue Wahlheimat Warin an. Altbekannte Gesichter, die vorwiegend der Kameradschaftsszene um das Germanische Bollwerk Mecklenburg und die Initiatoren der rechten Facebook-Gruppe „Sternberg wehrt sich“ angehören, marschierten begleitet von der Megafon-Hetze Kopplows durch Warin.

Ähnlich wie in Krakow gab es auch in Warin lautstarken Gegenprotest. Ungefähr 20 ältere Personen, die ein Banner der Partei DIE LINKE hielten, stellten sich am Rande der Aufmarsch-Strecke auf und wurden von den Neonazis als „Antifa“ betitelt und beschimpft.
Wie bei vergangenen Veranstaltungen in Westmecklenburg waren wieder einmal einige Teilnhemer stark alkoholisiert und so zeigte ein Neonazi den sogenannten „Hitlergruß“ vor Augen der Polizei. Ein weiterer Aufmarsch-Teilnehmer nahm die aufgeheizte Stimmung als Anlass einen Angriffsversuch auf die Gegendemonstranten zu starten. Routiniert drängte ihn ein Polizeibeamter wieder zurück in die spärlich besetzten Reihen.
Obwohl die Kameraden aus Sternberg zur Unterstützung angereist waren, lag auch hier die Teilnehmerzahl mit 50 Personen unter den Erwartungen.

Veranstaltungen von [Wismar/Schwerin] wehrt sich floppt

Giessen

Lutz Giesen in Krakow am See

Zeitgleich zu Warin fanden in Wismar und Schwerin organisiert von den rechten Facebook-Gruppen „[Wismar/Schwerin] wehrt sich“ ebenfalls Veranstaltungen unter dem Motto „Tag des deutschen Widerstandes“ statt.

In Wismar meldeten sie auf dem Weidendamm Parkplatz in der Nähe der Hochschule Wismar eine Kundgebung an. Es wurden Redebeiträge zum Thema Frauenunterdrückung im Islam und die aktuelle Asylpolitik gehalten. Schwerpunkt stand abermals die Verbreitung der Angst vor den Flüchtlingsheimen, die angeblich bald überall zu finden seien, und die Angst vor der angeblich steigenden Kriminalität.
Wozu diese Hetze führen kann, zeigte sich am Vorabend der Kundgebung. An der kürzlich bezogenen Unterkunft in Wismar-Wendorf griffen zwei Personen die Unterkunft mit mindestens einem Steinwurf an. Auf ihrer Flucht riefen sie noch „Heil Hitler“ und verschwanden ins abendliche Wohnviertel.
Das Bündnis „Wismar für alle“ meldete für den Bereich des Kreisverkehres in der Lübschen Straße in Wismar eine Gegenkundgebung an. Ein Teilnehmer der „Wismar wehrt sich“ Kundgebung wollte am Rande der Veranstaltung einen Gegendemonstranten angreifen.
Die Motivation der rechten Kundgebung, war aber wohl auch aufgrund der geringen Teilnehmerzahl von 25 und den 40 anwesenden Gegendemonstranten geschwächt, sodass sie ihre Veranstaltung bereits eine Stunde nach Beginn beendeten. 

Schwerin reiht sich ebenfalls in die Serie der gefloppten Veranstaltungen in Mecklenburg ein.

matischent

Nils Matischent in Krakow am See

Mit ihrer Kundgebung vor dem Schweriner Hauptbahnhof wollten sie wohl das Highlight des Tages darstellen. Zwar lagen sie mit einer Besucherzahl von rund 70 Personen an der Spitze des Zahlen-Rankings in Mecklenburg, allerdings sind dies deutlich weniger Teilnehmer, als bei anderen vergleichbaren Veranstaltungen in Schwerin. Unter den anwesenden Organisatoren um David Bühring und Thorsten Schramke fand sich auch der Landesvorsitzende der Hamburger NPD Thomas Wulff ein. Mit der Hamburger Landesfahne in der Hand unterhielt sich der in Amholz bei Boizenburg wohnende Neonazi mit einer Person aus dem Umfeld des Freundeskreises Thinghaus. 

Am Rande protestierten ca. 40 Gegendemonstranten mit Pappschilder und Transparenten gegen die Kundgebung.
Auch in Schwerin wurde die Kundgebung vorzeitig beendet obwohl sie bis 22.00Uhr angekündigt war.

Absacker im Thinghaus

 Die einzige Veranstaltung, die heute nicht scheiterte, war eine im deutschlandweit bekanntem Neonazi-Treff Thinghaus in Grevesmühlen. Ab 18:00 reisten bis zu 100 Neonazis aus dem gesamten Norddeutschen Raum an, die routiniert von den anwesenden Polizeikräften kontrolliert wurden. Organisiert wurde diese Veranstaltung allerdings nicht von dem Dachverband „Deutschland wehrt sich“ sondern den lokalen Neonazistrukturen, wie dem Freundeskreis Thinghaus.

Markus Kopplow in Warin

Die Teilnehmerzahlen des „Tages des Deutschen Widerstandes“, waren so gering wie bei keiner der bisherigen Veranstaltungen der rechten Facebook-Gruppe. Dennoch ist das Aggressions- und Gewaltpotenzial der Neonazis und besorgten Rassisten, die regelmäßig diese Veranstaltungen besuchen gleichbleibend hoch.

 Am kommenden Montag will die von der NPD dominierte MVgida Bewegung durch Boizenburg marschieren. Bei vergangenen Aufmärschen von MVgida in Boizenburg im September und Oktober reihte sich die NPD Prominenz wie Udo Pastörs oder Torgai Klingebiel in vorderster Reihe ein.
Quellen:
 
   [1] Facebook, Veranstaltung „Tag des Deutschen Widerstand“
    [2] „Waschmaschinen-Dieb: NPD-Politiker zu Bewährungsstrafe verurteilt“, Endstation Rechts, 24.09.2015
    [3] „Schwerin: NPD beschäftigt mehrfach vorbestrafte Neonazi Lutz Giesen“, Endstation Rechts, 19.06.2015

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