„Deutschland wehrt sich“ scheitert am eigenen Anspruch


DSC_0234Am Samstag, den 30.01.2016, verzeichnete der „Dachverband Deutschland wehrt sich“ einen neuen Tiefpunkt in ihrer Aktivismus-Karriere. Mit rund 70 Teilnehmern erreichte die rechte Facebook-Gruppen einen erneuten Zahlentiefststand bei ihren Aufmärschen. Immer wieder gestört wurde die Veranstaltung von einer Gegenkundgebung in unmittelbarer Nähe durch kreative Sprechchöre und Gesänge.

Mehr Schweinebraten mit Rotkohl am Samstag

Mit leichter Verspätung bauten ab 17:00 die Organisatoren des „Dachverbandes Deutschland wehrt sich“ ihren Lautsprecherwagen auf und warteten vergeblich auf mehr Zulauf an Teilnehmern. Sie wurden enttäuscht. Die Euphorie ließ schnell nach. Lediglich 70 Teilnehmer, die vorwiegend der rechten Neonazi-Szene zu zuordnen waren, fanden sich allmählich ein. DSC_0181Der ursprünglich angemeldete Aufmarsch wurde abgesagt und stattdessen eine Kundgebung am Grunthalplatz veranstaltet, unter dem Vorwand es regne zu stark. Allerdings müssen sich auch die Organisatoren allmählich eingestehen, dass sie ihren Zenit längst überschritten haben. Bereits am vergangenen Wochenende waren die Teilnehmerzahlen bei dem Aufmarsch in Wismar der Ortgruppe des Dachverbandes unterhalb der Erwartungen. 

Nicht nur zahlenmäßig auch inhaltlich hatte die rechte Kundgebungen keine Neuerungen zu bieten. Trosten Schramke, der aufgrund der Ermittlungen infolge der bei ihm und David Bühring stattfindenden Hausdurchsuchungen als Versammlungsleiter von den Ordnungsbehörden wiederholt nicht zugelassen wurde, übernahm erneut die Rede- und Moderationsleitung. Als Gastredner trat abermals „Uwe“ auf. Es war Uwes erste größere Rede seit den Ermittlungen wegen Volksverhetzung aufgrund einer Rede bei einem der Deutschland-wehrt-sich-Aufmärschen im vergangenen Jahr.

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Mit pseudowisschenschaftlichen Berechnungen versuchte er seine verschwörungstheoretischen These zu untermauern, Merkel würde mit den „Invasoren“ Deutschland besetzen und gemeinsam mit den USA „den Amerikanischen Plan“ umsetzen. Auch Schramke glänzte mit ähnlichen mathematischen Kenntnissen und verbreitete seine gewohnte Hetze gegen die Regierung. 

 
Die Stimmung der Teilnehmer war gedrückt. Einige fanden es spannender immer wieder die Gegendemonstranten in unmittelbarer Nähe der rechten Kundgebung zu provozieren oder verließen frühzeitig die Veranstaltung. Auch mit den Forderungen Uwes, nach mehr Schweinebraten mit Kartoffeln und Rotkohl, oder die Begründung Schramkes, sie würden hier heute demonstrieren, weil Samstag sei und sie jeden Samstag auf die Straßen gingen, konnten sie die Massen nicht erreichen.

Scheitern am eigenen Anspruch

DSC_0196Regelmäßig fand sich NPD-Prominenz wie Udo Pastörs oder Sven Krüger mit seinem Gefolge bei den Aufmärschen der besorgten Rassisten ein. Diese blieben allerdings bei den letzten Veranstaltungen völlig fern. Auch kann die rechte Facebook-Gruppe schon lange nicht mehr an ihre größten Erfolge, wie der Großdemonstration mit rund 650 Teilnehmern am 19.09.2015 in Schwerin, anknüpfen. 
Was als loser Zusammenschluss, der seine Zielgruppe vorwiegend in bildungsschwächeren Gesellschaftsschichten fand, begann, hat sich zu einer kleinen Gruppe von gerade mal einer handvoll Initiatoren entwickelt, die vergeblich ihren großen Vorbildern bei der NPD nacheifern. Ihre eigenen Ziele die Regierung ab zu schaffen und eine große Bürgerbewegung auf die Straße zu bringen, haben sie bislang nicht erreicht. Immer wieder kam es in der Vergangenheit zu Streitigkeiten innerhalb der Wehrt-sich-Gruppe. Von gegenseitigen Distanzierungen bishin zu Spitzel-Vorwürfen und Spaltungen erschütterten die Bewegung. Auch waren die Hausdurchsuchungen bei den Hauptinititoren David Bühring und Torsten Schramke ein Dämpfer für „Deutschland wehrt sich“. 
Nicht nur zahlenmäßig auch inhaltlich haben sie sich nicht weiter entwickelt. Anstatt mit Fakten und sorgfältig ausgearbeiteten Argumenten ihre Forderungen klar zu formulieren, verbreiten sie in diffuser Reichsbürger-Rhetorik ihre Verschwörungstheorien und zerfließen regelmäßig in Selbstmitleid über angeblich unrechtmäßige Maßnahmen von Polizei und Ordnungsbehörden. Was die einen nicht verstehen, belächeln die anderen. DSC_0241So sollte doch ein Sven Krüger,der mehrfach im Gefängnis saß, mehrere Hausdurchsuchungen und etliche Ermittlungen hinter sich hat, nur Lachen über solch ein Maß an Wehleidigkeit. Auch sollte das wiederholte Betonen „Wir sind keine Nazis“ nicht bei allen organisierten Mitgliedern von Neonazistrukturen auf viel Applaus stoßen. 
So bleibt nur ab zuwarten, ob die „Deutschland wehrt sich“-Organisatoren Schramke und Bühring zukünftig weiterhin Streicheleinheiten von NPD-Mitgliedern bekommen oder ob sie von der Mvgida-Bewegung geschluckt werden. Von ihren auf der Facbook-Seite von „Wismar wehrt sich“ groß angekündigten „positiven Veränderungen“ ist bislang allerdings nichts zu spühren.

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