Rechtsrock-Band im Friedländer „Endstation“


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Musikkneipe „Endstation“ am 06.02.16

Am Samstag, den 06.02.2016, trat die rechte Band „Abtrimo“ gemeinsam bei einem Konzert mit „Schusterjungs“ und „Kombatants“ in der Musikkneipe „Endstation“ in Friedland auf. Bereits in der Vergangenheit ist das „Endstation“ aufgrund ähnlicher Veranstaltungen in die öffentliche Kritik gelangt.

Konspiratives Konzert in der Provinz

Seit Ende Januar 2016 machten die Grauzone-Bands „Schusterjungs“ aus Weißenfels und die schwedische RAC-Band „Kombatants“ Werbung via Facebook für ein Konzert in Mecklenburg. Ein wenig verschwiegener verhielt sich die ebenfalls beteiligte Rechtsrock-Band „Abtrimo“ über den gemeinsamen Auftritt. Lediglich das Bandlogo „Abtrimo“s sowie ein „Facebook-Like“ der Ankündigung auf der „Schusterjungs“-Facebook-Seite gab  Aufschluss über deren mögliche Anwesenheit. Das „Endstation“  als Konzertort wurde nur bei Kartenkauf an den Käufer bekannt gegeben. Ab 19:00 Uhr waren in den umliegenden Straßen des „Endstation“ kleinere Grüppchen von Skinheads anzutreffen, die lautstark Akohol tranken und die Umgebung unterhielten. Die 120 Gäst kamen vorwiegend aus der Regionen Ostvorpommern, UeckerRandow sowie dem Berlin/Brandenburger Raum.

Skinhead-Kultur mit rechtem Anstrich

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ua. über Facebook verlinkter Fleyer im Vorfeld des Konzertes

Die aus dem Prignitzer Raum stammende Grauzone-Band „Schusterjungs“, die sich in ihren Texte sowie Statements betont unpolitisch gibt, traten bereits mit einschlägig bekannten, rechtsradikalen Bands auf. Dabei spielten sie auch in bekannten, rechten Läden, wie dem „De Kastelei“ in Brügge, welchem Verbindungen in die in Deutschland verbotene  „Blood&Honour“-Szene zugeordnet wird. [3]

Die schwedische Band„Kombatantssprang für die „Prolligans“ ein. Die „Prolligans“, eine RAC-Band aus Baden-Württemberg, geriet im Spätsommer 2015 in Kritik, als der Sänger bei einem Auftritt in Erfurt ein T-Shirt der schwedischen Blood & Honour-Band „Pittbullfarm“ trug. [4]
Die „Kombatants“ spielten im vergangenen Sommer bei dem traditionellen, rechten „Kuggnäs-Festival“ in Nyköpping gemeinsam mit „Pittbullfarm“ und der deutschen Rechtsrock-Band „Selbststeller“, die ebenfalls Kontakte in das Blood&Honour-Netzwerk haben. [5]
Die dritte Band des Abends im „Endstation“ war die Hamburger Band „Abtrimo“. Der Hamburger Verfassungsschutz ist bereits auf „Abtrimo“ aufmerksam geworden und widmet ihnen ein Abschnitt unter dem Titel „Musik als Einstieg in die rechtsextremistische Szene“ im Verfassungsschutzbericht Hamburg 2013. Demnach rufen sie in ihrem Lied „Sturm über Europa“offen zur Gewalt gegen Muslime auf. Der VS ist nicht die einzige Behörde, die sich mit der Rechtsrock-Band beschäftigt. So wurde bereits das Album „7 auf einen Streich“ von „Abtrimo“ durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert. [7] 
Ihren wohl bislang größten öffentlich bekannten Auftritt hatten sie vor 1300 Zuschauern beim Rechtsrock-Open-Air „This one’s for the Skinheads Vol. 3“ in Nienhagen. Als Eröffnungs-Gig des Festivals spielten sie vor Mitgliedern rechter Bruderschaften, Kameradschaften und Personen, die dem in Deutschland verbotenen Blood&Honour-Netzwerk nahe standen.  [6] 

„Endstation“ als attraktiver Veranstaltungsort für Rechtsrock

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Nach dem Konzert von „Abtrimo“ verlinkter Fleyer

Bei diesen einschlägig bekanntem Line-Up, ist es nicht verwunderlich, dass der Veranstaltungsort geheim bleiben sollte. Erst einen Tag nach dem Konzert in Friedland postete „Abtrimo“ Grüße an „Schusterjungs“ und „Kombatants“ mit einer zweite Flyerversion, auf dem ihr Bandname vollends ausgeschrieben wurden. 

Nicht zum ersten Mal traten Bands aus dem rechten Spektrum in der Musikkneipe auf. Die Gruppe „Antifaschistische Offensive Neubrandenburg“ berichtete 2012 über ein Rechtsrockkonzert mit den einschlägigen Bands „Stimme der Vergeltung“, „Wiege des Schicksals“, „Schlachtrufe Germania“ und „Thrima“. Auch sollen laut der Gruppe die NPDler Hannes Welchar und Mathias Grage Stammgäste im „Endstation“ sein. [1]
Im darauffolgenden Jahr geriet Thomas Karp mit seiner Musikkneipe abermals in die öffentlichen Schlagzeilen. Der Nordkurier berichtete über den Auftritt der rechten Bands „Bombecks“ und „Limited Booze Boys“. Der Gitarrist der „Limited Booze Boys“ soll Verbindungen zum NSU besitzen. Auf kritischen  Nachfragen des Nordkuriers bei Karp zu seiner politischen Einstellung, versucht dieser sich mit den örtlichen Gegebenheiten und seiner finanziellen kritischen Situation raus zu reden. Einige Bands hätten ihm aufgrund der negativen Berichterstattung Absagen erteilt und ihm bleibe nichts Anderes übrig. [2]
Das im Vorfeld angekündigte Konzert wurde polizeilich nicht begleitet. Die mit unter beim Verfassungsschutz und der  Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien auffällig gewordene Band „Abtrimo“ konnte ungestört ihre rechten Parolen in den Nachthimmel singen. Es ist dabei nicht aus zu schließen, dass auch Lieder des indizierten Albums „7 auf einen Streich“ gespielt wurden. 
Das „Endstation“ hat sich mittlerweile zu einem für Rechtsrock- und Grauzone-Bands attraktiven Veranstaltungsort entwickelt. Es ist davon aus zu gehen, dass auch zukünftig derartige Veranstaltungen in der Musikkneipe „Endstation“ in Friedland stattfinden werden.
Quellen:
[2]        Nordkurier-Neubrandenburg,„Braune Schatten wabern über der ‚Endstation’“, 08.02.2013
[7]        Verfassungsschutz-Bericht Hamburg 2013

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