Pressevertreter bei MVgida in Grevesmühlen mehrfach attackiert


frontAm Montag, den 22.02.2016, fand zum zweiten Mal ein MVgida-Aufmarsch des NPD-dominierten PEGIDA-Ablegers in Grevesmühlen statt. Bereits während des Aufmarsches wurden Pressevertreter mehrfach bedrängt und attackiert. Im Anschluss der Veranstaltung wurde einer der Journalisten attackiert und erlitt Verletzungen im Gesichtsbereich.

Plattenbauromantik für die Volksgemeinschaft

Ab 19:00 Uhr versammelten sich bis zu 200 Neonazis und besorgte Rassisten auf dem Grevesmühlener Marktplatz. Die meisten der Teilnehmer waren bekannte, zum Teil mehrfach vorbestrafte Neonazis, Mitglieder von Kameradschaften und NPDler.

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Antje Menzel im Gespräch mit Sven Krüger

Einige wenige Anwohner liefen zunächst etwas verhalten, dann mit fortschreitender Zeit immer motivierter und stolzer neben den größtenteils glatzköpfigen Teilnehmern her. Wortführend war wieder einmal der NPDler Andreas Theißen. Er beschallte die Teilnehmer und Anwohner entlang der Route mit seiner Hetze gegen die aktuelle Asylpolitik, der sogenannten „Lügenpresse“ sowie der Polizei und forderte eine „andere Politik“. 

Die erste Zwischenkundgebung fand bei Plattenbauromantik in dem Wohngebiet am Ploggenseering statt. Als „mutige Rednerin“ wurde Antje Mentzel, die Vorsitzende des Landesverbandes der NPD-Frauenorganisation „Ring Nationaler Frauen“ (RNF), angekündigt. In ihrer stark national und volksgemeinschaftlichen Rede prädigte die mutige Antje die Wichtigkeit des Gemeinschaftsgefühl, der Nationalstaaten und Traditionen. Sie versuchte Ängste zu schüren, indem sie Köln als vorbürgerkriegsähnlichen Zustand darstellte und stellte in Paragraphenreiterei die Rechtmäßigkeit der Einwanderungen der Refugees in Frage. 
Bei der zweiten Zwischenkundgebung berichtete ein als „besorgter Bürger“ angekündigte Redner über seine kleindörflichen Probleme in Schönberg. Selbstverständlich versprach der NPDler Andreas Theißen, dass sich um das Problem bei der nächsten Gelegenheit gekümmert wird.

Gegenprotest am Friedhof

NPD Funktionär Torgai Klingebiel als Ordner

NPD Funktionär Torgai Klingebiel als Ordner

Pro Asyl, der Flüchtlingsrat MV e.V. und die christlichen Kirchen in Grevesmühlen riefen anlässlich des MVgida-Aufmarsches zu einer Friedensandacht in der Kirche und einem anschließenden Schweigemarsch zum Friedhof auf. Sie wollten den 1945-1947 im Questiner Wald verstorbenen Geflüchteten gedenken. Die Veranstaltung verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle. Der MVgida-Aufmarsch selbst wurde von einer kleineren Gruppe Gegenprotestlern begleitet. Gut bewacht von den anwesenden Einsatzkräften begrüßten sie die Neonazis mehrfach mit lautstarken Sprechchören.

Pressevertreter bedrängt und attackiert

Die Stimmung der MVgida-Teilnehmer war erneut äußerst aggressiv und gewaltbereit. Trotz der großen Masse an anwesenden Einsatzkräften gelang es den Teilnehmern immer wieder Pressevertreter einzuschüchtern, zu bedrängen und zu attackieren.

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Sven Krüger (mit Fahne) mit lokalen KameradInnen

Bereits während der Auftaktkundgebung wurden die Journalisten bis weit an den Rand des Marktplatzes zurück gedrängt und somit ihre Pressearbeit deutlich eingeschränkt. Während des Aufmarsches kam es wiederholt zu Pöbeleien, Beleidungen und versuchten Angriffen. Die Stimmung der Teilnehmer gegen die sogenannte „Lügenpresse“ schaukelte sich hoch, sodass  gegen Ende in der Wismarsche Straße ein Gegenstand in Richtung der Journalisten geworfen wurde. Einige von den Teilnehmern, unter denen sich viele vorbestrafte und polizeilich bekannte Neonazis befanden, wie der mehrfach vorbestrafte Hammerskin Sven Krüger, fühlten sich anscheinend durch die aggressive Stimmung während des Aufmarsches beflügelt, sodass im Anschluss einer der Pressevertreter attackiert und ihm eine leichte Gesichtsverletzung zugefügt wurde. Der Angreifer konnte flüchten und es wurde eine Ermittlung gegen ihn eingeleitet.

Erneut gelang es den Einsatzkräfte die Gewaltbereitschaft der Teilnehmer nicht unter Kontrolle zu kriegen. Dabei sollte das Problem bereits bekannt sein. Pressevertreter wurde auch schon bei vergangenen MVgida-Aufmärschen und anderen thematisch ähnlichen Aufmärschen massiv bedroht, bedrängt und angegriffen. Erneut sah die Einsatzleitung eine höhere Gefahr bei den Gegendemonstranten, denen sie prozentual mehr Beamte zuteilte als den zum Teil vorbestraften Neonazis und besorgten Rassisten. 
Am kommenden Montag, den 29.02.2016, will die NPD-dominierte MVgida durch Parchim marschieren. Treffpunkt ist, wie bei den vergangenen MVgida-Aufmärschen in Parchim, der Parkplatz vor dem Gymnasium.

 

 

 

 

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