MVgida marschiert erneut durch Boizenburg


MVgida-Aufmarsch-Boizenburg-14_03_16-Fronttranspi-VermummungMit weniger Teilnehmern als bei vergangenen Aufmärschen marschierte der mecklenburg-vorpommersche Pegida-Nachahmer MVgida am Montag, den 14.03.2016, durch Boizenburg. Die Polizei verhinderte einen erfolgreichen Gegenprotest des „HHgoesMV“ Bündnisses in Sicht- und Hörweite.

Mentzel-Theißen-Duett stets bemüht

Bereits zu Beginn des MVgida-Aufmarsches herrschte betrübte Stimmung unter den Teilnehmern. Deutlich weniger, als bei den vergangenen Veranstaltungen des NPD-dominierten PEGIDA-Nachahmers, fanden sich ab 19:00 Uhr auf dem Boizenburger Marktplatz ein. Das Warten auf weitere mögliche Teilnehmer war vergeblich. Mit rund 130 Neonazis und besorgte Rassisten begann Antje Mentzel und Andreas Theißen mit der Auftaktkundgebung. Wie einstudiert, wirkten ihre sich seit Wochen wiederholenden gemeinsamen Reden, bei denen sie ergänzend, abwechselnd ihre Absätze vortrugen. Begleitet von den Klängen der rechten Liedermacher Frank Rennicke und Anett Müller trotteten die Aufmarschteilnehmer durch Boizenburg.
Wieder einmal nahm der Vorsitzende der NPD-Landtagsfraktion Udo Pastörs begleitet von seiner Ehefrau Marianne Pastörs an dem MVgida-Aufmarsch teil. Udo Pastörs pflegte nicht nur wie gewohnt seine Kontakte zu seinen NPD-Parteikameraden, sondern war hauptsächlich mit anderen besorgten Rassisten in intensive Gespräche verwickelt. In der Zeit unterhielt sich Marianne Pastörs vertraut mit einer regionalen Lehrerin, welche an der Regionale Schule mit Grundschule Vellahn unterrichtet. Bereits bei einem  vergangenen MVgida-Aufmarsch fiel die Grundschullehrerin auf.

Stefan Steiner verstorben

MVgida-Aufmarsch-Boizenburg-14_03_16-Pastörs-Lehrerin-VossObwohl die üblichen NPD-Mitglieder anwesend waren, fiel auf, dass eine bestimmte Personengruppe fehlte. Grund dafür könnte wohl die Trauer um den kürzlich verstorbenen Anmelder der ersten MVgida Stefan Steiner sein. Sein Ableben mit 27 Jahren am 01.03.2016 wurde in einer Traueranzeiger im Namen der Eltern im Hagenower Kreisblatt der Schweriner Volkszeitung betrauert.
Steiners Einstieg in die Neonazi-Szene begann früh. Der Boizenburger war Mitglied der militanten Kameradschaften „AG Boizenburg“ und „NaSo Boizenburg“, deren mehrere bewaffnete Übergriffe und Brandanschläge Ende 2000er zugerechnet werden. Ab 2010 machte der Polizistensohn Steiner einen Wandel hin zur NPD durch. Er zählt seitdem zum Umfeld der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“, half bei NPD-Infotischen und unterstützte als Kameramann mehrfach das NPD-nahe Internetportal MUPinfo. Im Januar 2015 meldete Stefan Steiner die erste MVgida in Schwerin an und nahm seither regelmäßig an den Aufmärschen teil.

Pressearbeit wiederholt behindert

Erneut waren anwesendende Pressevertreter den Teilnehmern ein großer Dorn im Auge. Auch wenn es am Montag zu keinen körperlichen Übergriffen auf Journalisten kam, wie am 22.02.2016 bei einem MVgida-Aufmarsch in Grevesmühlen, kam es wiederholt zu Einschüchterungsversuchen. Durch ihr agressiv offensives Auftreten sowie das Blenden mit LED-Taschenlampen versuchten einige der Neonazis und besorgte Rassisten die Pressearbeit zu verhindern.

Polizei verhindert erfolgreichen Protest

MVgida-Aufmarsch-Boizenburg-14_03_16-Kundgebung-Mentzel-TheißenBereits kurz nach dem Bekannt werden des Termines für den MVgida-Aufmarsch in Boizenburg organisierte das „HHgoesMV“ Bündnis Gegenprotest. Das Bündnis meldete eine Demonstration durch Boizenburg an, um den „Neonazis entschlossen entgegen [zu] treten“. Bereits bei vergangenen MVgida-Aufmärschen in Boizenburg versuchte das Bündnis einen erfolgreichen Gegenprotest zu organisieren. Erneut sah die Einsatzleitung der Polizei scheinbar ein größeres Problem bei den rund 220 Gegenprotestlern, wovon ca. die Hälfte aus der Boizenburger Region kamen, als bei den Neonazis und besorgten Rassisten. So konnten einige Teilnehmer des MVgida-Aufmarsches teils durchgehend  Vermummt marschieren. Trotz des allgemein gesetzlichen Vermummungsverbotes auf derartigen Veranstaltungen, sind die anwesenden, polizeilichen Einsatzkräfte dem nicht nach gegangen.
Wo in anderen Städten, wie Sternberg, Parchim oder Wismar, bei den regelmäßig stattfinden rechten Aufmärschen zivilgesellschaftliches Engagement in Form von angemeldeten Gegenprotest in Sicht- und Hörweite möglich und auch zum Teil erwünscht ist, wurde dies in Boizenburg erneut verhindert. Lediglich eine massive, mehrreihige Polizeiabsperrung mit mehreren Einsatzwagen sowie behelmten Polizisten und das weit entfernte Brummen einer Lautsprecheranlage, ließ die Gegendemonstration am anderen Ende der Straße erahnen.
In den kommenden Wochen finden weitere rechte Aufmärsche in Mecklenburg-Vorpommern statt. So will die rechte Facebook-Gruppe „Deutschland wehrt sich“ (DWS) am Montag, den 21.03.2016, in der Schweriner Innenstadt marschieren. Laut Aussagen von einem der Initiatoren der DWS-Facebook-Gruppe wollen sie während des Aufmarsches ihren eigenen Kandidaten für die kommende Oberbürgermeister-Wahl in Schwerin vorstellen.
5 Tage später, am Samstag, den 26.03.2016, will der lokale Ableger „Wismar wehrt sich“ durch den Wismar Stadtteil Wendorf marschieren. Bei ähnlichen, vergangenen Veranstaltungen kam es immer wieder zu Gewaltandrohungen, versuchten Angriffen und Einschüchterungsversuchen gegenüber Gegenprotestlern sowie Pressevertreter. Das Gewaltpotenzial der Teilnehmer war in der Vergangenheit immer hoch. Unter ihnen sind oft bereits polizeilich bekannte sowie vorbestrafte Neonazis und Mitglieder lokaler Kameradschaftsstrukturen. Die neue Refugee-Unterkunft, die in direkter Nähe zum Auftaktort des rechten Aufmarsches liegt, könnte ein Ventil für das Gewaltpotenzial darstellen. Es bleibt ab zu warten, ob die Zivilgesellschaft stark genug ist, sich dem entgegen zu stellen.
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