MVgida-Flaute in Ludwigslust


MVgida_18042016_Demonstrationszug_FronttransparentAm Montagabend, den 18.04.2016, marschierte die NPD-dominierte MVgida zu ihrem letzten Aufmarsch vor der angekündigten Sommerpause durch Ludwigslust. Mit doppelt so vielen Gegendemonstranten wie Mvgida-Teilnehmern wurden die Neonazis und besorgten Rassisten zu ihrer Zwischenkundgebung vor dem Schloss empfangen.

Lesestunde mit Andreas Theißen

Vergeblich warteten die rund 70 Teilnehmer des MVgida-Aufmarsches an ihrem Auftaktkundgebungsort am Bahnhof in Ludwigslust. Viele neugierige Anwohner beäugten im Halbkreis das Treiben der Rechten vor dem Eingangsbereich. Trotz gutem Zuredens durch die Lautsprecheranlage gelang es den Organisatoren nicht die Neugierigen in ihre Reihen zu bekommen. In gewohnter Manier begleitete das NPD-Duo Andreas Theißen und Antje Mentzel die Veranstaltung mit ihren Redebeiträgen. Die Durchhalteparolen aus der Lautsprecheranlagen konnten die gedrückte und demotivierte Stimmung unter den Teilnehmern nicht heben. Anstatt mit kämpferischen Sprechchören und vor stolz schwellender Brust durch die Ludwigsluster Plattenbauromantik zu marschieren, waren viele mit gesenktem Kopf in private Gespräche vertieft. Auch das Mentzel-Theißen-Gespann scheint die regelmäßig stattfindenen Aufmärsche müde zu machen. Anstatt mit selbst geschriebenen Reden die NPD-Stammwählerschaft zu motivieren, las Andreas Theißen während der Marschroute aus der NPD-Zeitung „Ordnungsruf“ – Ausgabe 19 vor. Das war nicht das einzige Propagandamaterial, was ihm als Gedächtsnisstütze diente. Auch die Rede seiner Zwischenkundgebung bestand zu einem Großteil aus Sätzen aus einem Flyer.

MVgida Reisegruppe

MVgida_18042016_Ludwigslust_Lautsprecherwagen_Andreas_Theißen_Rede_OrdnungsrufIn der Auftaktkundgebung berichtete Theißen von seinen Erlebnissen am Wochenende in Bad Oldesloe. Gemeinsam mit Antje Mentzel und anderen MVgida-Teilnehmern besuchten sie einen rechten Aufmarsch unter dem Motto „Volkswillen umsetzen“ in Bad Oldesloe. Aufgrund des starken Gegenprotestes konnten die Neonazis und besorgten Rassisten nicht weiter als 230 m marschieren. Anscheinend erbost und aufgeladen von der Niederlage des Tages griffen einige Neonazis aus der Zugreisegruppe am Umsteigebahnhof in Lübeck einige für sie politische Gegner an. Dabei wurde mindestens ein alternativ aussehender Jugendlicher schwer verletzt. Gemeinsam mit der MV-Reisegruppe fuhren auch die Kandidaten für die kommenden Landtagswahlen Andreas Theißen und Antje Mentzel. Unmittelbar nach dem rechten Angriff versuchte sich Andreas Theißen gemeinsam mit dem NPD’ler Arne Voss , welcher schon bei den ersten MVgida-Veranstaltungen als Ordner auftrat, von der Reisegruppe abseits zu stellen. Währenddessen hockte Mentzel hinter einem Pfeiler und tippte hecktisch auf ihrem Handy herum.

Bunter Gegenprotest

An ihrem Zwischenkundgebungsort wurden die Neonazis und besorgten Rassisten von einem großen Gegenprotest empfangen. Diese veranstalteten kurz zuvor eine Andacht in der nahe gelegenen Kirche und machten sich im Anschluss auf den Weg in Richtung Schloss. Theißen interpretierte die bunten Regenschirme und Kerzen als „..Drohkulisse mit Fackeln und Licht…“. Mit rund 250 Teilnehmer beteiligten sich mehr als doppelt so viele Personen am Gegenprotest als am MVgida-Aufmarsch.

MVgida_18042016_Kundgebung_Schloss_LudwigslustFür ihre letzte MVgida-Veranstaltung vor der bei Facebook angekündigten Sommerpause hatten sich die Organisatoren sicherlich einen pompöseren Abschluss der MVgida-Wintersaison gewünscht. Ein wenig verloren wirkte der kleine rechte Haufen mit seinen gerade einmal 70 Teilnehmern vor der einschüchternden Kulisse des Ludwigsluster Schloss auf der einen und der bunten Masse der Gegendemonstranten auf der anderen Seite.

Auch wenn die Organisatoren eine Sommerpause, ähnlich wie im vergangenen Jahr, angekündigt haben, ist mit weiteren rechten Veranstaltungen zu rechnen. Die Hauptorganisatoren Andreas Theißen und Antje Mentzel treten beide zu den kommenden Landtagswahlen im September für die NPD an. Schon in den Aufmärschen der letzten Wochen wurde immer wieder auf die NPD als einzig zu wählende Partei hingewiesen. In den Reden wurden die klassischen NPD-Forderungen verpackt, was in der Lesestunde für die Stammwählerschaft aus der aktuellen NPD-Zeitung von Theißen am vergangenen Montag in Ludwigslust gipfelte. Bis zu den Wahlen am 04.09.2016 wird die NPD verstärkt auf Infotischen in verschiedenen Städten sowie klar definierten NPD-Aufmärschen, wie den am 01.Mai in Schwerin und am 08. Mai in Demmin, setzen, um auf Stimmenfang zu gehen.

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