Rechtsrock Konzert im Thinghaus


GVM_ThausAm vergangenen Samstag, den 04.06.2016, fand nach einer längeren Zwangspause wieder einmal ein Konzert mit drei Bands der rechten Szene im bundesweit bekannten Thinghaus statt. Polizei beobachtete bis spät in die Nacht die An- und Abreise der Teilnehmer.

Das im Frühjahr 2010 eröffnete Thinghaus in Grevesemühlen zählt zu einer der Hauptanlaufpunkte der rechten Szene in der Region Westmecklenburg und darüber hinaus. Neben eher öffentlichen Veranstaltungen wie etwa Kneipenabende, Bücherbasare oder „Tag der offene Türen“ finden auch immer wieder Veranstaltungen statt, die hinter vorgehaltener Hand beworben werden. Auch unterhalten die NPD Landtagsabgeordneten Udo Pastörs und Stefan Köster hier ein Wahlkreisbüro.
In der Anfangszeit konnten im Thinghaus noch recht ungestört Konzertveranstaltung stattfinden. So besuchten insgesamt rund 1000 Gäste im Jahr 2012 mindestens vier Konzerte in der Mecklenburgischen Kleinstadt Grevesmühlen.  Seit 2013 verhinderte Polizei und Stadt regelmäßig Konzerttermine im Thinghaus, wie etwa eine nationale Faschingsparty im Februar 2013 oder eine Geburtstagsveranstaltung im Oktober 2014.

Als die Polizei im Augtust 2014 ein Konzert auf dem Gelände des Neonazi-Treffs auflöste, stießen die Beamten auf massiven Widerstand. Vor Ort hätte ein NPD-Mitglied die Arbeit der Polizeibematen durch sein „aggressive Auftreten“ behindert. Auch seien Polizisten von Besuchern vor Ort tätlich angegangen worden.

Auf dem Szeneportal „mupinfo“ erklärte eine Person nach der untersagten Geburtstagsveranstaltung im Oktober 2014: „Lasst es euch doch nicht bieten. Bleibt doch einfach mal da und schaut was die Nacht so bringt. […] Und wenn sie tausend mal unsere Konzerte, Feiern und Geburtstage verbieten. Dann ist es eben gerade keine Zeit zu feiern – sondern endlich Zeit zu kämpfen!“  Nach behördlichem und polizeilichem Agieren gegen Musikveranstaltungen änderten die Veranstalter im Thinghaus ihren Kurs. So wurden nahezu regelmäßig stattfindende sogenannte Kneipenabende durchgeführt, die teils öffentlich via Facebook beworben oder durch Mund zu Mund Propaganda weiterverbreitet wurden. Auch nahm die Anzahl an offensichtlich politischen Bildungsveranstaltungen zu. Mal war es eine Buchvorstellung mit einschlägiger Literatur und mal wurde über ein Gerichtsprozess aus einen anderen Bundesland referiert.

Thinghaus kehrt aus dem Winterschlaf zurück

In den letzten Monaten änderte sich erneut der Kurs der Rechtsextremen Szene aus dem Umfeld des Thinghauses. Die Veranstaltungsdichte nahm zu. Die Veranstaltungen wurden öffentlich beworben und es wurde versucht sich ins richtige Licht bei Polizei und Presse zu rücken. So bot Sven Krüger am 10.04.2016 während der dritten Norddeutschen Bücherbörse dem Einsatzleiter der Polizei an, ihn ins Thinghaus zu begleiten, um festzustellen, dass dies kein jugendgefährdender Ort wäre. Das Vorhaben schlug fehl und Personen unter 18 Jahren wurde der Zutritt zum Thinghaus verwehrt.
Mit einen Schreiben an Presse, Behörden und Polizei kündigte Sven Krüger Mitte April 2016 ein Maifest im nahe gelegenen Jamel am 30.04.2016 an. In dem Schreiben bat Sven Krüger auf Rücksichtnahme bezüglich des Polizeieinsatzes. Aus seiner Sicht seien hier ein bis zwei Einsatzfahrzeuge mehr als genug. Eine Sprecherin der Polizei äußerte sich laut Endstation Rechts, dass ein bis zwei Streifenwagen nicht ausreichen würden. Der Bitte Krügers wurde allerdings nachgegeben. Lediglich eine Polizeikontrolle in ca. 1 km Entfernung zum Dorfplatz führte Anfahrtskontrolle durch. Im Ort waren zum Zeitpunkt der Veranstaltung keine weiteren Polizeikräfte ersichtlich.

Auch führte der NPD Kreisverband Nordwestmecklenburg am 22.04.2016 ein Gesprächsabend im Thinghaus durch. Unter dem Motto „Mut zum Handeln“ lud David Böttcher „zu einen politischen Gesprächsabend mit unserem Fraktionsvorsitzenden im Schweriner Landtag Udo Pastörs“ ein.

Zukunftsmelodien für kommende Ereignisse

Die akribische und wohl langwierige Vorbereitung für das vergangene Konzert mit drei einschlägig bekannten Bands machte sich bezahlt. So hatte Sven Krüger eine Veranstaltung über einen Anwalt bei den Ordnungsbehörden angemeldet und genehmigt bekommen. Nach rund 1,5 Jahren öffentliche Konzertpause konnten nun wieder Neonazis einschlägige Bands  live im Thinghaus sehen. Die Gäste feierten am vergangenen Wochenende zur Musik von den Rechtsrock-Bands „Hausmannskost“, „Exzess“ und „Timebomb“. Erst spät in der Nacht verließen die letzten Gäste das Thinghaus.

Einen Tag nach dem erfolgreichen Auftritt postete die Band „Hausmannskost“ auf Facebook: „Gut Ding will Weile haben, aber der Grundstein für weitere Veranstaltungen wurde gelegt“. Auch die Band „Exsess“ bewertete auf Facebook den Abend positiv und nach vorne schauend: “Ein Thing nach unserem Geschmack! Zukunftsmelodien für kommende Ereignisse wurden gestern eingeläutet!“
Was viele Sympathisanten des Thinghauses schon lange herbei gesehnt haben, könnte bald wieder Wirklichkeit werden: Regelmäßige Konzerttermine im Thinghaus. So könnten wieder regelmäßig Neonazis aus dem Nordeutschen bis hin zum Europäischen Raum ins Mecklenburgische Grevesmühlen reisen. Auch könnte das Thinghaus so Anlaufpunkt für eine Jugend in der Region werden, die sonst außer einer Skateanlage, Jugendclub und Bushaltestellen wenig zu bieten bekommt.

Zeit zum Handeln

Seitdem das Thinghaus in Grevesmühlen in der Vergangenheit in den öffentlichen Fokus geriet, starteten verschiedene Initiativen das Bündnis „Grevesmühlen ist Bunt“. Außer durch mediale Präsenz, wie das Aufhängen des Banners bei Stadtfesten oder Sportveranstaltung, ist vom Bündnis nicht viel geblieben. Es fehlt der Zivilgeselschaft und Politik gänzlich an Konzepten, um gegen das Thinghaus und deren Bestrebungen zu agieren.

Lediglich zu den MVgida-Aufmärschen im November 2015 und Februar 2016 konnte sich ein kleiner Teil der Anwohner und Zivilgesellschaft dazu auf raffen, gegen die Aufmärsche friedlich zu protestieren. Während des MVgida-Aufmarsches im Februar kündigte die Landrätin Kerstin Weiss laut Schweriner Volkszeitung an, dass sie weiter Aktionen für Solidarität und Menschenrechte in Nordwestmecklenburg starten wolle. “Hysterie, Angst oder gar Gewalt und Hass zu säen, ist der völlig falsche Weg“.
Einen anderen Weg konnte die Landrätin allerdings am vergangenen Samstag nicht vorweisen. Denn ihre Behörde genehmigte nach Pressemeldungen das Konzert im Thinghaus.

Viel Zeit bleibt nicht. Schon zum kommenden Wochenende hat die Bremer Rechtsrock-Combo „Kategorie C“ ein Konzert in Westmecklenburg angekündigt. Nach den Erfahrungen vom vergangenen Wochenende ist es nicht auszuschließen, dass das Thinghaus als Anlaufpunkt oder Konzertlocation dienen könnte.

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