Antisemitismus am jüdischen Friedhof in Güstrow


031216_demo_kameradschaft_guestrow_transparent Am Samstag, den 03.12.2016, zogen bis zu 70 Neonazis unter dem Motto „Asylantenstadt Güstrow? Nicht mit uns!“ durch Güstrow. Unter antisemitischen Parolen zog die Demonstration, welche von der Kameradschaft Güstrow beworben wurde, am Jüdischen Friedhof vorbei. Einzig eine Gruppe von bis zu 15 Lokalpolitiker und Aktivisten setzten am Rande der Demontration ein Zeichen.

NPD hält sich weiterhin im Hintergrund

Seit dem 23. November warb die Kameradschaft Güstrow auf ihrer Facebook-Seite zu einer Demonstration in der Barlachstadt Güstrow. Wie auch schon bei den vergangenen rechtsextremen Demonstrationenm nach der Landtagswahl im September dieses Jahres dominierte die Kameradschaftsszene aus Autonomen Nationalisten die Demonstration. Bis auf ein NPD-Fahnenträger und der Landesvorsitzende der NPD-Frauenorganisation „Ring Nationaler Frauen“ 031216_demo_kameradschaft_guestrow_antje_mentzel_rede_kundgebungAntje Mentzel hielt sich die NPD Parteistruktur wieder einmal bedeckt. Gründe dafür könnte der Verlust der Parlamentssitze im Landtag MV sowie das laufende Verbotsverfahren, in dem Mitte Januar eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts geben soll, sein.

Nach dem Verlesen der Auflagen stellten die Teilnehmer, vorwiegend aus den Regionen um Boizenburg, Waren, Rostock und Güstrows, auf. Zum Teil vermummt starteten die Neonazis ihre Demonstration durch Güstrow. Ganz vorne weg leitete der mehrfach Vorbestrafte Niels Matischent die Demonstration durch die Güstrower Straßen. Die Route dürfte den älteren Veranstaltungsteilnehmern allerdings bekannt sein. Im März 2013 wollte die NPD schon auf nahezu gleicher Route gegen eine Geflüchtetenunterkunft aufmarschieren.

Antisemitische Hetze am jüdischem Friedhof

Im Frühjahr 2013 stellte sich ein breites Bündnis den Nazis entgegen. Damals blockierten um die 300 Personen die Nazi-Route am Jüdischen Friedhof in der Neukruger Straße. An derartigem Erfolg konnte der gegenwärtige Gegenprotest nicht anknüpfen. 031216_stiller_protest_demo_kameradschaft_guestrow_juedischer_friedhofWo die Nazi damals noch auf eine andere Route ausweichen mussten, konnten sie am Samstag ihre antisemitsche Hetze lautstark verbreiten. Unter Sprechöre wie „Antisemiten kann man nicht verbieten!“,“Nie nie nie wieder Israel!“ oder „Palästina hilf uns doch, Israel gibt es immer noch!“, zogen die Neonazis am Jüdischen Friedhof vorbei. Eine kleine Gruppe vom „Aktionsnetzwerk Demokratie Güstrow“ zeigte am Jüdischen Friedhof einen sogenanten „stillen Protest“. Nach Angaben des Netzwerkes „gab es verletzende Beschimpfungen, Beleidigungen und Bedrohungen gegen eine Landtagsabgeordnete. […]Die mutmaßlichen Hetzer und Täter [sollen bekannt sein und] wurden/werden durch mehrere Personen angezeigt“.

Tradition der deutschen Weihnachtsbäume erhalten!

Auf den zwei Kundgebungen wurden drei Reden gehalten. Inhaltlich ähnelten sich die Reden der NPD-gesteuerten MVgida-Bewegung der letzten Jahre. Mal setzt sich ein Redner für die Tradition der deutschen Weihnachtsbäume ein, mal ruft er dazu auf, dass „wir … mal wieder gemeinsam vernünftig auf die Straße gehen und zeigen. Wir sind das deutsche Volk und nur gemeinsam können wir uns vor einen Untergang bewahren“. Die Moderation der Veranstaltung übernahm Nils Matischent.

031216_demo_kameradschaft_guestrow_juedischer_friedhofAntje Mentzel hielt eine antimuslimische Rede. So erklärte sie, dass “ Weltoffenheit bedeutet, nicht zu akzeptieren, dass gewisse Kräfte den Anschluss Europas an die muslimische Welt wünschen. Weltoffenheit heßst auch nicht, dass wir uns verarschen, verhöhnen und hinters Licht führen lassen müssen – nicht von Asylbetrügern, nicht von Glücksrittern und Sozialschmarotzern, noch von Politikern und steuerbezahlten Rassisten, die ihren krankhaften Hass gegen das eigene Volk als cosmopolitischen Edelmut verkaufen möchten.“

Protest

Begleitet wurden die zweite Kundgebung vom „Aktionsnetzwerk Demokratie Güstrow“ mit einer Gegenkundgebung. So wurde trotz der geringen Teilnehmerzahlen „Bunt statt Braun“ Fahnen aufgehangen und die Reden mit „Buh“ Rufen und Trillerpfeiffen gestört. Allerdings konnten sie nicht verhindern, dass an diesem frühen Nachmittag Neonazis ihre menschenverachtene, rassistische und antisemitische Hetze auf die Straße bringen.

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