Weihnachtskult im Thinghaus


Am vergangenen Samstag veranstaltete das Thinghaus ihre Interpretations des Weihnachtsfestes. Seit dem frühen Nachmittag standen die Tore für die über 80 Gäste des Julfestes offen. Das Julfest stellt einen weiteren Höhepunkt der lokalen Neonaziszene dar, ihre deutschen Traditionen zu pflegen und an die Kleinsten weiter zugeben.

Jährliches Julfest im Thinghaus

Pünktlich in der vorweihnachtlichen Zeit veranstalteten die Strukturen des Thinghauses das Julfest – ihre Interpretation des Weihnachtsfestes. Jährlich ist das Julfest im Thinghaus das Großevent zum Ende des Jahres. In den vergangenen Jahren lagen die Besucherzahlen zwischen 60 und 120 Personen. Auch in diesem Jahr war das Gelände des bundesweit bekanntem Neonazitreffs mit Autos zugeparkt, sodass die Besucherzahlen sich der 100 annäherten. Ansprechen sollte die Weihnachtsfeier vorwiegend Familien mit Kindern. Die Räumlichkeiten wurden weihnachtlich geschmückt, es gab eine Kuchentafel und Knecht Ruprecht beschenkte die Kleinen. Die ersten Neonazi-Familien, vorwiegend die mit kleinen Kindern, verließen schon gegen 17:00 Uhr wieder die Räumlichkeiten des Thinghauses.
Eigentlich wirkt die Weihnachtsfeier für die Familien im Thinghaus wie eine nette vorweihnachtliche Kaffeerunde – wenn die ganze Aufmachung nicht vor NS-Symboliken strotzen würde.

NS-Tradition für die Kleinsten

Bereits im Nationasozialismus Anfang des 20. Jh. wurde das ursprünglich christliche Fest neu interpretiert, mit dem Ziel deutsche Weihnachtsbräuche in ihre Ideologie und der nationasozialistischen Volksgemeinschaft einzubinden. Normalerweise findet das Julfest oder auch Wintersonnenwende in der Nacht vom 21.12. zum 22.12. statt. Es ist das winterliche Pendant zur Sommersonnenwende. Gefeiert wird das Ende der Rauhnächte – eine mystische Zeit mit viel Aberglauben, in der sich angeblich Dämonen und Geister herumtreiben.
Viele der deutschen Traditionen und Neuinterpretationen des christlichen Weihnachten fanden sich auch bei der Veranstaltung im Thinghaus wieder. Anstelle eines Adventskranzes schmückte ein sogenannter Julapfelleuchter, bestehend aus vier Äpfeln mit Kerzen und sechs Holzstäben, den Kuchentisch.

Archivfoto

Im Hintergrund leuchtete ein Schwibbogen mit dem Motiv von Paula Jordan, welches zur Freiohmd-Schau entworfen wurde. Wohl nicht ganz ohne Hintergedanken wählten die Veranstalter des Julfestes ausgerechnet dieses Motiv des Schwibbogens. Die Freiohmd – Schau 1937 war die erste große Ausstellung erzgebirgischer Volkskunst. Der Veranstalter Friedrich Emil Krauß war ein wohlhabender Fabrikant und nicht nur Freund sowie Förderer der Volkkunst, sondern auch überzeugter Nationalsozialist. Das Motiv stellt die Verbundenheit des Bergbaus mit der erzgebirgischen Volkskunst dar.
Neben den NS-Symboliken zum Schauen, gab es auch was für die Kleinsten zum Anfassen. Ein Knecht Ruprecht wurde ebenfalls zum Julfest organisiert. Knecht Ruprecht ersetzt den ursprünglichen Nikolaus.
Die NPD Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ schrieb in einem Beitrag von 2009 Knecht Ruprecht sei der Behüter von Volk, Heimat und Tradition.

Geduldige Polizeikontrollen

Im Gegensatz zu den lokalen Politikern scheinen zumindest die Polizeibehörden die Neonazi-Weihnachtsfeier ernst zu nehmen. So schien es ihnen wichtig, diese Veranstaltung unter keinen Umständen zu verpassen. Aus Erfahrungen der vergangenen Jahre war damit zu rechnen, dass die Feier innerhalb der ersten zwei Dezemberwochenenden stattfinden wird. Bereits am vergangenen Wochenende fand ein größerer Polizeieinsatz am Thinghaus statt. Den ganzen Nachmittag bis in die Abendstunden stand die Polizeikontrolle, um die möglichen Besucher des Julfestes zu erwarten. An diesem Wochenende zahlte sich die Geduld der Polizei aus. Es fanden offensive Polizeikontrollen statt. Sie kontrollierte umfangreich und routiniert die Gäste des Julfestes, sicherten den Verkehr und patroullierten vor dem Tor.
Neben dem Maitanz, der Sommersonnenwende und dem Lichterfest ist das Julfest ein weiterer Höhepunkt der rechten Szene rund um die „Dorfgemeinschaft Jamel“ und dem „Freundeskreis Thinghaus“. Bei diesen Brauchtumsfeiern werden ganz selbstverständlich schon frühzeitig national sozialistische Traditionen und Bräuche an die Kleinsten weiter gegeben.

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