Rechte Genossenschaft in Mecklenburg-Vorpommern


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Im Sommer 2016 trafen sich 23 Personen aus dem Umfeld der NPD bzw. der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ und der verbotenen „Heimattreuen Deutsch Jugend“ (HDJ) im Grevesmühlener Thinghaus. Ziel war die Gründung der „Mecklenburg-Vorpommerschen-Strukturentwicklungs-Genossenschaft eG“, die dann im November 2016 ins Genossenschaftsregister eingetragen worden ist.

Gründung im Thinghaus

Eingeladen zu der Gründungsversammlung der „Mecklenburg-Vorpommerschen-Strukturentwicklungs-Genossenschaft eG“ im Thinghaus, am 15.07.2016, hat der in Jamel wohnende Tino Streif. Unter den Anwesenden waren Funktionäre der NPD, wie David Petereit und Hannes Welchar, Kader der verbotenen HDJ, wie Alf Börm und Ragnar Dam, oder Personen aus dem Umfeld der „Dorfgemeinschaft Jamel“, wie Sven Krüger und Steffen Meinecke. Nachdem Tino Streif die Versammlung eröffnete und auch zugleich zum Versammlungsleiter gewählt wurde, erklärten der ehemalige NPD-Landtagsabgeordneter David Petereit gemeinsam mit Andreas Kolb das Gründungvorhaben. Zweck der Genossenschaft mit Sitz im bundesweit, bekannten Neonazitreff Thinghaus ist die „Förderung wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Belange ihrer Mitglieder in Bezug auf das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern als Wirtschaftlicher- und Sozialraum durch gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb.“.

Tino Streif mit Sven Krüger beim Obstbaumpflanzen am 1.Mai 2017

Neben der „Schaffung, Verwaltung und Bewirtschaftung von Wohn und Gewerberaum“ wollen sie Unternehmensgründung sowie den Erhalt von bestehenden Unternehmen unterstützen. In den ersten Aufsichtsrat der Genossenschaft wurden die NPD-Funktionäre Klaus Streif, Torgaj Klingebiel sowie David Petereit einstimmig gewählt. Neben seine Funktion im Aufsichtsrat ist der in Lüntheen ansässige Malermeiste Klingebiel Vorsitzender der Strukturentwicklungs-Genossenschaft. Als sein Stellvertreter fungiert der Maurermeister und NPD-Gemeindevertreter in Bobitz Klaus Streif. Als Schriftführer wurde der ehemalige NPD-Landtagsabgeordnete David Petereit gewählt. Der Aufsichtsrat bestellte einstimmig den in Jamel wohnenden Schweißfachingeneur Tino Streif, den aus Süddeutschland stammenden JN-Kader Andreas Kolb sowie den bis dato eher unbekannteren Projektmanager Andreas G. in den Vorstand.

Finanzen, Immobilien und Objekte

Verfallenes Haus in Jamel

Finanziert wird die Genossenschaft, durch das Einbringen eines Geschäftsanteil von 500€ pro Genossenschaftsmitglied. Bei Bedarf kann dieser Anteil auf bis zu 50.000€ erhöht werden. Neben Geldleistungen können die Mitglieder auch Sachleistung, wie etwa Immobilien, in die Genossenschaft mit einbringen. Denkbar für die ersten Projekte der Genossenschaft sind diverse Immobilien und Unternehmen, die einigen der Mitglieder gehören. So passt etwa ein Gebäude in Klein Belitz in das Portfolie der Genosseschaft. Hier fand u.a. ein JN-Wahlkampfzeltlager zur Landtagswahl 2016 statt. David Petereit sollte die Immobilie in Klein Belitz durchaus gut kennen, da er in der Nähe wohnt. Auch wurde 2015 in dem ehemaligen Dorfkonsum ein geplantes Rechtsrockkonzert verboten. In dem kleinen Ort Jamel, in denen seit Jahren schon Neonazis dominieren, befindet sich ebenfalls ein für die Genossenschaft attraktives Objekt. So könnte die alte Scheune von Sven Krüger dringend eine Sanierung gebrauchen. Schon lange nicht mehr beschränkt sich der systematische Zuzug von Neonazis auf das beschauliche Dorf in Nordwestmecklenburg. Längst wurde das Konzept Jamel auf die umliegende Dörfer ausgeweitet. Auch könnten baufällige Objekte in den Speckgürteln größerer Städte zukünftig ins Blickfeld der rechten Genossenschaft geraten.

Siedelnde Strukturen

Der Trend der nationalen Strukturentwicklung im ländlichen Raum mehr Gewichtung zu schenken, zeichnet sich auch in anderen rechten Strukturen ab. So ruft Ende November das identitäre Projekt „Ein Prozent“ die AG „Netzwerk Landraum“ ins Leben. Die Ziele zur „Mecklenburg-Vorpommerschen-Strukturentwicklungs-Genossenschaft eG“ sind ähnlich. Auch versuchen völkisch nationale Siedlergruppen, wie der Sturmvogel-Deutscher Jugendbund oder die Neo-Artamanen, seit Jahrzehnten eine eigene Gegenkultur auf dem Land aufzubauen. Die Strukturentwicklungs-Genossenschaft sollte in den sozial- und strukurschwachen Regionen, von denen es in Mecklenburg-Vorpommern einige vergessene Orte gibt, keine Probleme haben geeignete Objekte für ihr Vorhaben zu finden. Der Zuzug von Neonazis sollte in den kommenden Jahren tendenziell steigen, falls die Genossenschaft erfolgreich ist. Ob zum Studieren oder Arbeiten – teils weit entfernt von zivilgesellschaftlichem Engagement konnten Neonazis vor allem im ländlichen Raum MV sich festsetzen, eigene private Lebensräume schaffen und sich politisch weiter vernetzen und verfestigen. Jamel ist schon längst kein Einzelfall mehr. In diesen Regionen wird die Genossenschaft in Zukunft ansetzen können.

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