AFDler solidarisieren sich mit Chemnitz


Unter dem Motto „Solidarität mit Chemnitz“ riefen Teile der AFD MV am Montag zu Mahnwachen in den Städten Rostock, Greifswald, Stralsund, Neubrandenburg, Schwerin und Wismar auf. In Wismar organisierten Stadtvertreter und das Bündnis „Wismar für alle“ einen kurzfristigen Gegenprotest.

AFD reiht sich ein

Nachdem es am Sonntag in Chemnitz, aufgrund eines tödlichen Messerangriffes auf einen Mann, zu Ausschreitungen von gewaltbereiten Neonazis und Hooligans kam, instrumentalisierten Teile der AFD MV ebenfalls den Tod des Mannes für die Verbreitung rechter Hetze. In dem Aufruf betitelten sie den Getöteten als „Opfer von Merkels offenen Grenzen“. Einige AFDler sowie der Kreisverband Nordwestmecklenburg riefen zu Mahnwachen in den Städten Rostock, Greifswald, Stralsund, Neubrandenburg, Schwerin und Wismar auf. In Wismar meldete laut Ordnungsbehörde der AFD-Kreisverband Nordwestmecklenburg die Mahnwache an. Unter den zwei Linden auf dem Marktplatz stellten sie Grabkerzen auf und hielten Schilder mit Namen sowie Todesdaten hoch. Die bis zu 20 Teilnehmern waren allerdings eher wenig diszipliniert beim Abhalten der Mahnwache. Ein Großteil machte lautstark, lachend Witze über die Gegendemonstranten und Journalisten.

Unter den anwesenden AFDlern waren auch die Landtagsabgeordneten Jens-Holger Schneider und Christoph Grimm. Immer wieder geriet Schneider in Vergangenheit aufgrund seiner Verstrickungen in die Neonazi-Szene ins Visier. Mehrfach wurde der mittlerweile AFDler gemeinsam mit bekannten Neonazis auf Veranstaltungen abgelichtet. 2007 bepöbelte er gemeinsam mit Sven Krüger und weiteren Neonazis Personen am Rande einer Antifa-Demonstration in Wismar. Auch war Jens-Holger Schneider ein wiederholter Teilnehmer an Demonstrationen der rechten Gruppierung „Deutschland wehrt sich“ oder übernahm die Aufgabe als Ordner bei der NPD-dominierten „MVgida“. Bei einer derartigen Kontinuität ist es nicht verwunderlich, dass sich am Montag der AFDler Schneider im intensiven Gespräch mit ehemaligen „Unterführer“ der verbotenen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ Alf Börm befand. Zeitweilig war Börm als Landeschef der NPD-Jugendorganisation tätig. Die öffentlichen Auftritte von Börm sind allerdings weniger geworden. Aktuell ist er Dauergast bei den Brauchtumsfeiern in Jamel und trat dort als „Trompeter“ oder „Zeremonien-Meister“ für die Feierstunde auf. Um so überraschender die Teilnahme Börms an der AFD-Mahnwache in Wismar. Ein wenig nervös zog er seine Kreise mehrfach um den Marktplatz, begab sich zeitweilig zu den Gegendemonstranten. Dort wurde er allerdings schnell erkannt und angesprochen. Das veranlasste ihn dann doch sich schnell zu seinen ideologisch verwandten AFD-Anhängern zu begeben und sich dort weiter mit Jens-Holger Schneider zu unterhalten.

Zahlenmäßig überlegener Gegenprotest

Kurz nach Bekanntwerden der Mahnwache in Wismar organisierte sich ein breiter Gegenprotest gegen die AFD-Veranstaltung. Aufgerufen wurde zum Kaffee trinken und gemeinsamen Vorlesen, um ein friedliches Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit zu setzen. Stadtverterter, Mitglieder der Bürgerinitiative „Wismar für alle“ und DIE LINKE fanden sich auf dem Marktplatz mit Kaffee zum gemeinsamen Vorlesen ein. Es wurden vorwiegend Kurzgeschichte und Gedichte mit politischem Inhalt vorgetragen. Auch wurden mehrere Artikel aus dem Grundgesetz rezitiert. Unter den ca. 70 Teilnehmern befand sich ebenfalls der Bürgermeister Wismars Thomas Beyer. Vor gut einem Monat veranstaltete Beyer eine Demonstration gegen Rassismus aufgrund einiger Übergriffen von Neonazis und Rassisten gegen Geflüchtete.

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