Kurz vor den Wahlen vermehrte Naziaktivitäten in Wismar


beschädigtes Auto am „Tikozgalpa“

Vergangene Freitagnacht kam es in der Hansestadt Wismar vermehrt zu Naziaktivitäten. Plakate der „Identitären Bewegung“ wurden verklebt, Schmierereien mit rechtem Inhalt sind in der Innenstadt aufgetaucht und am „Tikozigalpa“ wurden bei zwei Fahrzeugen die Scheiben eingeschmissen.

Fahrzeuge vor dem „Tikozigalpa“ beschädigt

Kurz vor den Wahlen zeigt sich die Hansestadt Wismar mal wieder von seiner hässlichen Seite. Am späten Freitagabend wurden am alternativen Wohn- und Kulturprojekt „Tikozigalpa“ zwei Fahrzeuge beschädigt. Gegen 23:00 Uhr hörten Bewohner des Projektes ein lautes Geräusch. Unbekannte Täter schmissen mit Steinen Heckscheiben zweier Fahrzeuge vor dem „Tikozigalpa“ ein. Kurz nach Tathergang wurde die Polizei alamiert und eine Anzeige gegen Unbekannt aufgenommen. Die Bewohner des „Tikozigalpa“ schließen eine rechtsmotivierte Tat nicht aus.

Schmierereien mit rechtem Inhalt

In unmittelbarer Nähe des „Tikozigalpa“ tauchten in derselben Nacht Schmierereien mit rechtem Inhalt auf. Parolen wie „Nazi Zone“ oder „Freiheit statt BRD“ zierten die Hauswände. Bereits bei der Sachbeschädigung auf das alternative Wohnprojekt im September 2018 kam es zu ähnlichen Ereignissen. Nachdem das Garagentor der Stadtvilla mit „NS Zone“ und „FCK AFA“ beschmiert wurde, fanden sich gleiche Schriftzüge in der Nähe des „Tikozigalpa“ sowie einigen anderen Orten in der Wismarer Innenstadt.
„Die letzten Angriffe sind nicht so lange her. Die zeitlichen Abstände werden in letzter Zeit kürzer, aber einschüchtern lassen wir uns nicht“, sagte Lasse R., ein Mitwirkender des Projektes. Bei der letzten Sachbeschädigung im Februar dieses Jahres wurden zwei Scheiben am „Tikozigalpa“ beschädigt. Die Scheiben mussten ersetzt werden.

Unbekannte kleben IB-Plakate

„Festung Europa“-Plakate der „Identitären Bewegung“

Gegenüber des Gerhard-Hauptmann-Gymnasiums brachten Unbekannte ebenfalls vergangene Freitagnacht unzählige Plakate der „Identitären Bewegung“ an. Die daraus entstandene schwarz-gelbe Wand mit der IB-Forderung „Festung Europa, macht die Grenzen dicht“ war unübersehbar. Das ist nicht das erste Mal, dass Plakate, Aufkleber oder Schmierereien der „Identitären Bewegung“ in Wismar auftauchen. Immer wieder kam es in jüngster Vergangenheit vor allem im Umfeld der städtischen Gymnasien zu derartigen Sachbeschädigungen. Lokale Mitglieder der Identitären Bewegung waren auch am Rande des NPD-Aufmarsches am 1. Mai in Wismar. Nach eigenen Angaben wollten sie sich den Aufmarsch sowie Gegenprotest mit Blick auf Gewaltpotential anschauen.

Täter nicht ermittelt

Obwohl die Polizei Wismar im Normalfall sehr akribisch ihre Polizeimeldungen verfasst, ist zu den genannten Vorfälle Freitagnacht bislang nichts zu finden. Weder zu den Sachbeschädigungen in Form von Schmierereien oder das anbringen von Plakaten einer vom Verfassungsschutz beobachteten Gruppe, noch zu der Sachbeschädigung vor dem „Tikozigalpa“ wurde seitens der Polizei eine Meldung veröffentlicht. Lasse R. schätzt das Interesse der Polizei an der Sachbeschädigung vor dem Tikozigalpa als gering ein. Offensichtlich habe es unmittelbar nach der Tat keine Nahbereichsfahndung gegeben, obwohl die Polizei direkt nach dem Bemerken verständigt wurde. R. vermutet, dass, wie bei den anderen Angriffen in Vergangenheit, auch dieses Mal keine Täter ermittelt werden können.

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